Kredit und Finanzierung

Die im Verhältnis zur heutigen Zeit sehr hohen Zinsen des Altertums – auch im alten Mesopotamien war die Investition in Saatgut durch einen Kredit an der Tagesordnung – resultierten aus dem hohen Risiko, welchem ein damaliger Kreditgeber ausgesetzt war, sein Geld oder seine Ware infolge einer Missernte nicht mehr wieder zu sehen.

So waren Zinsen von 40 oder 50% nicht unüblich - kein Wunder, dass Wucher in allen Kulturen als unmoralisch galt. Im Alten Testament, wird der Wucher als Verbrechen beschrieben und mit hohen Strafen geahndet. Im Christentum des frühmittelalterlichen Europas galt er als eine Todsünde.

Vom lateinischen credere stammend, bedeutet Kredit “glauben” oder im Sinne des Geldgeschäftes freier übersetzt “das auf Treu und Glauben Anvertraute”.

Schon zu Zeiten der Römer wurde einem Kreditnehmer nur im Falle der Glaubwürdigkeit ein Darlehen gewährt. Das waren üblicherweise Vertreter der Aristokratie, die stellenweise nur durch Aufnahme von Fremdkapital ihren aufwändigen Lebensstil finanzieren konnten.

Ein mittelständischer Plebejer dagegen hätte vor 2000 Jahren gar nicht die Möglichkeit gehabt, sich über ein langfristiges Darlehen ein Eigenheim zu bauen, weil es zum ersten keine staatlichen Banken gab und zum zweiten reiche Privatiers ihr Geld nicht an mittellose und unglaubwürdige Bürger verliehen hätten - das eigene Risiko wäre zu hoch gewesen.

Politische Macht war während der langen Zeit des Jahrhunderte andauernden Römischen Reiches eine wesentliche Triebfeder für die Mitglieder der höheren Stände. Während die Mehrung des Besitzes durch Geldverleih und damals übliche hohe Wucherzinsen auch der römischen Mentalität widersprach und beim Volk als unredlich verpönt war, hatten die Mitglieder des Senats keine Skrupel, zugunsten protziger Zurschaustellung ihrer Macht über ihre Verhältnisse zu leben und einen Kredit nach dem anderen in Anspruch zu nehmen.

Ihre Gläubiger rekrutierten sich vornehmlich aus reichen römischen Rittern, die aber weder über politische Macht noch über Einfluss verfügten. Blieb ein angesehener Politiker seinem Kreditgeber die Zurückzahlung schuldig, hatte dieser meistens Pech weil er in der Praxis keine Handhabe hatte, wieder an sein Geld heranzukommen.

Die Herren des Senats saßen nun einmal am längeren Hebel. Diese Form der Abhängigkeitsverhältnisse zusammen mit der römischen Vorstellung, seinen Besitz durch ehrliche Handarbeit und Ackerbau zu verdienen, bedingte, dass sich im alten Rom kein professionelles Bankensystem im heutigen Sinne entwickelt hatte.

Obwohl die Römer fast ganz Europa, Teile Nordafrikas und Kleinasiens erobert und in diesen Provinzen eine offizielle einheitliche Währung eingeführt hatten, quasi eine Weltmacht darstellten, hielt man sich auf privater Ebene eher zurück, einen Kredit aufzunehmen. Lediglich die Völker der eroberten Provinzen durften durch hohe Wucherzinsen noch weiter ausgeplündert werden - so weit zu den Moralvorstellungen der Römer!

Für das Aufkommen reicher jüdischer Privatleute und Bankiers in Europa und nach dem Zweiten Weltkrieg vornehmlich in den USA gibt es hauptsächlich zwei historische Gründe, die im Verlauf des Mittelalters zu finden sind. Durch Erstarken und den Einfluss der katholischen Kirche wurde es den jüdischen Bürgern im Laufe der Jahrhunderte immer schwerer gemacht, Grundbesitz zu erwerben oder ein Handwerk auszuüben.

Aus religiösen Gründen wurden sie nicht mehr in die mächtigen Handwerkszünfte aufgenommen und verloren somit ihren Gelderwerb, waren als Konkurrenten also ausgeschaltet. Diese Tatsachen in Verbindung mit dem Zinsverbot, welches Christen Geldgeschäfte untersagte, machten die Bürger jüdischen Glaubens im Laufe des Mittelalters und der frühen Neuzeit zwangsläufig zu professionellen Geldverleihern, die nur mit Hilfe entsprechender Zinsen auf einen vergebenen Kredit überleben konnten.

Kaisern, Königen und dem gesamten Adel blieb nur die Kreditaufnahme bei Juden, die in der Praxis das alleinige Recht hatten, gegen Zinsen Darlehen zu gewähren.Unter anderem um die teure Kriegsführung zu finanzieren, warendie reichen Stände auf Kredite angewiesen. Aber auch der Handel und die zunehmende Technisierung führten dazu, dass im Laufe der Neuzeit verstärkt auch durch Kaufleute oder Handwerker Kredite in Anspruch genommen wurden.

Viele heute renommierte und traditionelle Bankhäuser sind jüdischen Ursprungs und haben erst das bestehende moderne Bankensystem etabliert. Im Zuge der christlichen Reformen in der Neuzeit änderte sich bald die Moral auch in Bezug auf Geldgeschäfte und ebenfalls Christen durften ihren Besitz durch Zinsen auf einen gewährten Kredit mehren.

Die Option, über einen Kredit bzw. Darlehen Immobilien, Häuser, Geschäftsinvestitionen oder Autos zu finanzieren, wurde zunehmend einer breiteren Bevölkerungsschicht ermöglicht und durch die sich mittlerweile rückversichernden Banken konnten durch sinkende Zinsen auch günstige Darlehen an kleinere Angestellte oder Arbeiter vergeben werden.

Doch so sehr die positiven Auswirkungen von Kreditvergaben auf die finanzielle Situation und Flexibilität der Kleinverdiener allgemein auch von Vorteil für die gesamte Volkswirtschaft sind, die zunehmende Globalisierung bringt auch die negativen Aspekte des Kreditwesens an den Tag. Die vor einigen Jahren einsetzende internationale Finanzkrise basiert auf den Immobilienspekulationen in den USA.

Vorrangig wurden Häuser zum Zweck der Spekulation gekauft und um sie mit Krediten zu beleihen. Diese Hochpreispolitik führte nach und nach immer mehr dazu, dass sich Familien, die sich ein Haus über einen Kredit finanzieren wollten, das Geld nicht mehr zurückzahlen konnten. Schon aufgrund des schlechten Dollar-Kurses war es nicht möglich, die Immobilie zum erwarteten Preis wieder zu verkaufen.

In Form einer Kettenreaktion hatten die Banken so Schwierigkeiten, vergebene Kredite zurückzuerhalten. Durch die zusätzliche Verflechtung europäischer und deutscher Banken sind nicht zuletzt gegenwärtig auch die Steuerzahler in Mitleidenschaft gezogen worden.

Bei einer Kreditaufnahme sollten also sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte berücksichtigt werden.