Unter den verschiedenen Kreditarten nimmt der Dispositionskredit eine spezielle Rolle ein. Dieser ist eine verbreitete Form des Kontokorrentkredites, der in der Regel von Privatpersonen in Anspruch genommen wird. Umgangssprachlich auch „Dispo“ oder Überziehung genannt, ist dieser vorrangig dazu gedacht, dass kurzfristige Finanzengpässe ausgeglichen werden können.


Rechtliche Grundlagen

Verfügungen auf einem Konto setzen voraus, dass dieses ein entsprechendes Guthaben oder eine Kreditlinie aufweisen, damit diese ausgeführt werden können. Geldinstitute können hier dem Kontoinhaber das Recht einräumen, das Konto über das Guthaben hinaus zu belasten. In diesem Fall wird eine Kreditlinie vereinbart, in welchem Umfang bzw. bis zu welchem Limit das Konto überzogen werden darf.
Dieser Kontokorrentkredit ist nach §488 BGB ein Darlehensvertrag, der es einem Verbraucher erlaubt, sein Konto bis zum eingeräumten Limit zu belasten. Dieser wird meist durch den Kunden beim Geldinstitut beantragt, welches nach Prüfung eine Kreditlinie einräumt.

Das Geldinstitut kann allerdings auch einseitig erklären, dass es einem (guten) Kunden einen Dispositionsrahmen einräumt. Diese Erklärung wird oft in einem Schreiben an den Kunden mitgeteilt. Seltener wird einfach auf den Kontoauszügen notiert, dass der Kunde nunmehr berechtigt ist, einen gewissen Finanzrahmen zu nutzen. Der Darlehensvertrag kommt in so einem Fall automatisch zustande, wenn der Kunde das Konto überzieht und somit implizit das Angebot der Bank annimmt.

Der Verbraucher muss informiert werden, zu welchen Bedingungen der Disporahmen eingeräumt wird. Dazu gehört der Zinssatz, die Höchstgrenze des Kreditrahmens, Anpassungen des Zinssatzes und Beendigung des Darlehensvertrages. Wichtig ist das Alter des Kontoinhabers. Dieser muss volljährig sein, da Kinder und Jugendliche nur beschränkt geschäftsfähig sind.

 

Gebräuche und Irrtümer

Oft werden Überweisungen durchgeführt und vom Geldinstitut ausgeführt, obwohl kein Dispositionskredit vereinbart ist oder über den Kreditrahmen hinausgehen.
In diesem Fall spricht man korrekt von einer (un)genehmigten Kontenüberziehung.

Dispokredit Daten Im Gegensatz zu Verfügungen im Rahmen eines Dispositionskredites besteht auf eine solche kein Anspruch und ist vom Wohlwollen der Bearbeiter abhängig. Für eine solche Überziehung können andere Zinsen als beim vereinbarten Dispositionskredit verlangt werden.

Die Zinsen bei derartigen Krediten sind höher als bei den meisten anderen Kreditformen, da die Geldinstitute nicht langfristig planen können. Dadurch müssen sie gegebenenfalls kurzfristig selbst Geld zu ungünstigen Konditionen aufnehmen.

Die Höhe des Verfügungsrahmens ist individuell vereinbar. In der Regel versuchen Geldinstitute, diesen Rahmen an den monatlichen Gehaltseingängen zu orientieren. Üblich sind ein bis zwei Nettogehälter, da der Kontobesitzer in der Lage sein soll, den Kontostand zeitnah auszugleichen. Dieses soll ein „Einfrieren“ des Kontos verhindern, also einen Zustand, in dem ein Konto dauerhaft im Minus betrieben wird.

 

Ablösung

Da der Dispokredit recht hohe Zinssätze mit sich bringt, sollte er nur einige Monate lang genutzt werden, um kurzfristige Anschaffungen zu finanzieren. Langfristig sollten Konten, die im Minus betrieben werden, umgeschuldet werden, beispielsweise durch Umstellung auf einen Ratenkredit. Dieser ist in der Regel mindestens fünf Prozentpunkte günstiger und bietet langfristige Planungssicherheit.